Halten & Heilen

Wortwolke Halten

Das Wort „halten“ mit all seinen Ausprägungen, Vorsilben und sonstigen Anhängen ist ziemlich allgegenwärtig. Wir benutzen es, ohne darüber nachzudenken. Ich war selbst erstaunt, welche Ausprägungen und Bedeutungen halten be-in-haltet. Wiktionary listet zehn Bedeutungen und verweist auf mehr. Dazu gibt es Synonyme und Unterbegriffe und spannende Redewendungen. Die ursprüngliche Bedeutung geht auf das Vieh halten bzw. hüten zurück.

In dieser Zeit geht es mir besonders um das Inne-Halten und das An-Halten. Die Raunächte laden uns genau dazu ein. Loslassen und Verändern – auch Themen, mit denen wir uns hier beschäftigen – sind sog. Gegenwörter des Haltens, und wie das eben in der Dualität ist: es gibt das eine nicht ohne das andere.

Doch auch Fragen nach dem, was wir zurück-halten, aus-halten und fest-halten; wo wir still-halten, uns raus-halten, irgendwie durch-halten, mit-halten oder auf-halten oder wie wir uns ver-halten, sind Fragen, die wir uns immer wieder stellen dürfen. Die Antworten schenken uns eine Standortbestimmung, eine Idee, was wir hinterfragen dürfen, vielleicht einen Ansatz, eine Stelle, an der wir justieren – und letztendlich „heilen“ – können.

Das Wort erscheint viel einfacher – mit nur zwei Bedeutungen (gesund machen und gesund werden) und genau einer Redewendung (von etwas geheilt sein). Und doch ist das, was drin steckt, so komplex.

Noch einmal: Es geht mir nicht um dieses „wörtliche“ heilen, da ich weder Ärztin noch Therapeutin bin und keinerlei Anspruch darauf erhebe, hier etwas in dem Sinn zu heilen.

Heilen in meiner Welt liegt in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Menschen. Was nicht heißt, dass wir immer und alles alleine heilen müssen. Natürlich dürfen wir uns dazu jederzeit Unterstützung – ganz egal welcher Art – holen. Doch wir sind eben auch fähig, in uns, aus uns selbst heraus zu heilen.

Das gilt sowohl für körperliche Prozesse und als auch ganz besonders für emotionale Prozesse, für Verhaltensmuster, Glaubenssätze, Überzeugungen und Gewohnheiten. Bei manchen geht das ganz flott, bei anderen brauchen wir unbedingt Hilfe von Außen.

Was glaubst du über das Heilen?

Vielleicht ist eine der größten Hürden in diesem Prozess,
uns nicht nur die Erlaubnis zu erteilen, etwas zu heilen,
sondern das Infragestellen unserer eigenen Heilkraft zu beenden.
Was glaubst du?

Heilung als eine Ganzwerdung zu betrachten, als Schritte, die wir ins Eins-Sein gehen, hilft mir, meinen Blick zu weiten und immer tiefer zu vertrauen – mir selbst, meinen eigenen (Heil-) Fähigkeiten und dem Leben, das meine Heilung immer unterstützt.

Mit den Betrachtungen, für die wir hier Raum schaffen; den Fragen, die wir uns stellen und beantworten; dem Loslassen, dem in-Bewegung-und-ins-Bewusstsein-bringen, dem Inne-Halten, dem zur-Ruhe-kommen und dem einfach-Sein – glaube ich – heilen wir (uns).

Und dann dürfen wir das, was wir ge-heilt haben,
voller Stolz, Freude und Dankbarkeit halten
bzw. im ganz ursprünglichen Sinne
hüten (wie einen Schatz).